Wie viel Geld benötige ich, wenn ich einmal nicht mehr arbeiten kann?

Wen Sie aus gesundheitlichen dauerhaft nicht mehr arbeiten können, fällt Ihr Einkommen nach sechs Wochen Lohnfortzahlung weg. Es folgt das Krankengeld der gesetzlichen Kasse oder der PKV. Und läuft auch das aus, kommt nichts mehr – es sei denn, Sie haben mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder einer anderen Arbeitskraftabsicherung vorgesorgt.

Aber wie hoch soll die versicherte Berufsunfähigkeitsrente eigentlich sein? Die „richtige“ BU-Rente zu versichern, ist alles andere als leicht. Natürlich kann man „Pi mal Daumen“ eine Summe für sich ermitteln, aber das birgt Gefahren: Ist sie zu niedrig, droht im Ernstfall ein finanzielles Loch – und das kann gewaltig sein. Ist sie zu hoch, drücken die Beiträge auf die Haushaltskasse. Wir zeigen Ihnen hier, wie Sie den richtigen Beitrag ermitteln.

Darum geht es in diesem Artikel

Die richtige BU-Rente versichern: So berechnen Sie Ihren Bedarf  

Wir haben für Sie eine Vorlage erstellt, die Ihnen dabei hilft, die passende BU-Summe in drei Schritten zu ermitteln. Im ersten Schritt geht es darum zu ermitteln, welches Einkommen Ihnen noch zur Verfügung steht, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen kein Erwerbseinkommen mehr beziehen. Dazu zählt das gesamte Familieneinkommen, dazu gehören etwa …

  • Ihre bewilligte Erwerbsminderungsrente
  • betriebliche Rentenansprüche 
  • Zinseinkünfte 
  • Mieteinnahmen
  • Kindergeld 
  • und natürlich auch das Einkommen des Partners. 

Wenn Sie diese Summe ermittelt haben, stellen Sie dem Ihren Bedarf gegenüber – und damit Ausgaben, die auch dann anfallen, wenn Sie nicht mehr arbeiten können und ein Erwerbseinkommen beziehen. Das sind etwa … 

  • die Kosten für Wohnen (Miete oder Hypothekenrate)
  • Nebenkosten wie Strom/Gas/Wasser  
  • Ausgaben für Kommunikation und Medien 
  • Versicherungen  
  • Mobilität (Auto/ÖPNV) 
  • Gebühren für Konten und Depots  
  • Laufende Sparverträge/Altersvorsorge 
  • Kreditverpflichtungen
  • Ausgaben für Bildung und Beruf 
  • Sport, Reisen und Urlaub  
  • Kultur und Freizeit 
  • Einkaufen 
  • Gesundheitsausgaben 

Auch hier ermitteln Sie die Summe, die im Übrigen kaum geringer sein wird als zu den Zeiten, in denen Sie ein Erwerbseinkommen hatten. 

Jetzt stellen Sie einmal das Einkommen und die Ausgaben gegenüber – Sie werden schnell merken, dass Ihr Einkommen fehlt und eine doch recht deutlich Lücke klafft – die Summe X, die es über eine BU-Versicherung abzusichern gilt. Zusätzlich müssen Sie weitere Punkte In Ihre Überlegungen einbeziehen. Denn zur Summe X kommen weitere Punkte, die es zu addieren gilt:

  • Ihre Krankenversicherung: Je nach Status müssen Sie sich ggf. freiwillig gesetzlich krankenversichern. Rechnen Sie mit einem Beitrag von gut 15 Prozent auf Ihre Summe X.  
  • Ihre private Altersvorsorge: Wenn Sie nicht mehr arbeiten können, zahlen Sie auch keine Beiträge mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Damit sinkt die Rentenleistung im Alter. Sie sollten zumindest einen Sockelbetrag von 20 Prozent auf die Summe X für die Altersvorsorge aufschlagen. 
     
  • Ihre Steuern: Wenn Sie jetzt die finale BU-Rente ermittelt haben, planen Sie mindestens 15 Prozent Aufschlag für die Steuer ein. 

Die Summe X plus alle diese Aufschläge ergibt die Summe, die Sie mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung absichern sollten. Wenn Sie den individuell passenden Schutz vereinbart haben, hinterlegen Sie alle Informationen zu Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung in Ihrer Vorsorgevollmacht. So stellen Sie sicher, dass Ihre Familie weiß, wo und wie Sie Leistungen in welcher Höhe Anspruch nehmen kann.

Tipp: Nutzen Sie unsere Vorlage für Ihre eigene Berechnung. Einfach hier herunterladen!

Finanzielle Angemessenheit 

Den eigenen Bedarf zu ermitteln, ist die eine Sache. Die gewünschte Rente auch versichert zu bekommen, eine ganz andere. Denn die Berufsunfähigkeitsversicherungen prüfen bei Antragstellung die sogenannte finanzielle Angemessenheit. Was heißt das? Die Versicherer haben eigene Berechnungsgrundlagen, wie hoch die versicherbare BU-Rente sein darf. Diese Rechnung basiert natürlich in erster Linie auf dem Einkommen – je nach Versicherer wird entweder das Bruttoeinkommen oder das Nettoeinkommen herangezogen. Und mal zählt das Einkommen aus dem letzten Jahr, mal das Einkommen aus den letzten drei Jahren. Zusätzlich spielen auch bereits vorhandene Absicherungen eine Rolle: Etwa über ein Versorgungswerk, eine Betriebsrente oder eine ältere Berufsunfähigkeitsversicherung, die mit einem neuen Vertrag aufgestockt werden soll. Je nach Versicherer kann also die versicherbare Rente ganz unterschiedlich sein. 

Ein Beispiel

Ein junger IT-Experte hat vor drei Jahren sein Studium beendet und arbeitet seit diesem Zeitpunkt in Vollzeit. Im ersten Jahr hat er 36.000 Euro brutto (24.300 Euro netto) verdient, im Jahr darauf 47.000 (30.400 Euro netto) Euro und dann 68.000 Euro (41.570 Euro netto) nach einem Jobwechsel. 

So sehen die versicherbaren Renten bei drei Versicherern aus

  • Die Alte Leipziger versichert ⅔ des durchschnittlichen Einkommens der letzten Jahre, begrenzt auf die Beitragsbemessungsgrenze, die aktuell bei 87.600 Euro liegt. Ein darüber hinausgehendes Einkommen wird zu ⅓ versichert. Im Beispielfall hat der IT-Experte in den vergangenen drei Jahren im Schnitt 50.333 Euro verdient. ⅔ davon sind 33.555 Euro, versicherbar sind damit 2.796 Euro Monatsrente. 
  • Die Baloise versichert 60 Prozent vom aktuellen Bruttogehalt oder 75 Prozent vom Netto, wenn das vorteilhafter für den Kunden ist. Im Beispiel wären das 60 Prozent von den aktuellen 68.000 Euro. Versicherbar wären bei der Baloise also 40.800 Euro, das sind 3.400 Euro Monatsrente. 
  • Beim Volkswohl Bund wird ebenfalls auf das aktuelle Einkommen abgestellt. Bis zu einem Einkommen von 85.000 Euro werden 70 Prozent des aktuellen Bruttoeinkommens versichert, ein darüber hinausgehender Einkommensanteil zu 50 Prozent. Im Beispiel wären das also 47.600 Euro oder 3.967 Euro versicherbare BU-Rente. 

Drei Versicherer also, die bei identischem Einkommen unterschiedliche Rentenhöhe absichern! Die Qualität des Schutzes hängt also schon beim Einstieg davon ab, den „richtigen“ Versicherer zu wählen.

Untersuchungsgrenzen 

Eine weitere Hürde beim Weg zur Wunsch-BU kann eine ärztliche Untersuchung sein. Denn niemand weiß genau, was eine solche Untersuchung ggf. zutage fördert. Und ist erst einmal eine bisher unbekannte Diagnose in der Welt, wird die sich durch alle BU-Anfragen ziehen. Insofern ist es immer ratsam, eine ärztliche Untersuchung zu vermeiden. Die meisten Versicherer ziehen die Grenze für eine ärztliche Untersuchung immer noch bei einer Monatsrente von 2.500 Euro. Wer eine höhere BU-Rente versichern möchte, muss eine ärztliche Untersuchung absolvieren. Natürlich gibt es hiervon (positive) Ausnahmen und bei hohen Renten schlagen wir ohnehin immer eine Zweivertragslösung vor. 

Nachversicherung 

Wer heute einmal den BU-Bedarf festgestellt hat, muss den immer wieder nachjustieren. Nehmen wir mal den ITler aus dem Beispiel oben. Der hat sein Gehalt in drei Jahren fast verdoppelt – damit werden auch seine Ausgaben gestiegen sein, sodass die Summe X gewachsen sein wird. Die BU-Rente muss also erhöht werden. 

Damit nicht bei jeder Erhöhung eine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich wird, sehen die Berufsunfähigkeitsversicherungen heute Nachversicherungsgarantien ohne erneute Gesundheitsprüfung vor. Sie können also die versicherte BU-Rente während der Vertragslaufzeit aufstocken. Und auch hier unterscheiden sich die Versicherer erheblich: Die Spanne der maximal möglichen Renten liegt bei 30.000 bis 90.000 Euro im Jahr.  

Eine ausreichende BU-Absicherung ist immer Bestandteil einer umfassenden Notfallplanung. Deswegen gehören alle Informationen zur Berufsunfähigkeitsversicherung auch in die Notfalldokumente wie den Notfallplan und die Übersicht über Ihre Versicherungen.

Wenn Sie auf der Suche nach der passenden Arbeitskraftabsicherung sind, dann nehmen Sie unsere kompetente Beratung in Anspruch. Wir zeigen Ihnen, wie Sie am besten versicherbar sind – vereinbaren Sie jetzt einen Termin bei uns.